Wie Hauskaninchen zähmen und ans neue zuhause gewöhnen

Der Anfang der Kaninchenfreundschaft entscheidet

Mit der Frage wie ich mein neues Hauskaninchen zähmen kann muss man sich schon vor dem Kauf intensiv beschäftigen. Gerade mit Tieren ist der Erstkontakt prägend. Kaninchen sind Fluchttiere, die den Menschen nicht automatisch als Freund ansehen. Sind die Kaninchen schon ausgewachsen und noch sehr scheu, ist es schwieriger, sie zu zähmen. Aber auch bei jungen Kaninchen kann in den ersten Tagen schon sehr viel falsch gemacht werden. Wenn sie von tobenden Kindern direkt als „Kuscheltier“ entdeckt werden oder der kleine Kläffer sie die ersten Stunden im neuen Heim ankläfft, ist es mit Pech schon gelaufen.

Allein der Transport in das neue Heim ist für das Kaninchen Stress. Als Erstes möchte das Kaninchen einige Stunden absolute Ruhe, um sich alles anzusehen oder, um erst einmal eine Stunde im Kaninchenhaus zu verschnaufen. Damit das weitere Zähmen gelingt, müssen also die Kinder ausgebremst werden, die kleinen Kläffer müssen räumlich zum Kaninchen getrennt sein.

Der nächste Punkt ist, dass ein Kaninchen nie allein sein möchte, es soll wenigstens einen Artgenossen haben. Wenn die Tiere sich noch nicht kennen, werden sie sich raufen, gerade gleichgeschlechtliche Kaninchen haben Eingewöhnungsprobleme. Da Kaninchen Platz brauchen, kann in das Kaninchengehege ein Kaninchenkäfig gestellt werden, um mal einen Tag das eine, mal das andere Tier in diesen Käfig zu geben, womit beide das gesamte Revier abwechselnd erkunden, sich sehen, riechen und hören können. Aber wenigstens eines der Kaninchen hat die Möglichkeit, erst einmal räumlich Abstand zu nehmen. Für das andere Tier soll es ein Kaninchenhaus als Rückzug geben. Dann kann versucht werden, beide Tiere in den großen Freilauf unter Aufsicht zu vergesellschaften.

Für die Grundbedürfnisse sorgen

Als Fluchttiere wollen Kaninchen einen Rückzugsort. Sie brauchen außerdem viel Platz. Drei Kaninchen auf 10 m² Freilauf wäre bei normal großen Rassen empfehlenswert. Viele stellen einfach ihre Kaninchenmöbel in einen Raum oder unterteilen diesen, womit die Kaninchen einen Rückzug, ihre Futterstelle, ein Kaninchenklo, eine Buddelkiste und eine immer gefüllte Heuraufe haben. Es gibt viele Möglichkeiten, mit überschaubarem Aufwand einen Raum für Kaninchen einzurichten.

Möchte der Halter seine Kaninchen später im Außengehege halten, dann soll er sich fragen, ob er die ersten Wochen täglich einige Stunden im Außengehege verbringen kann oder ob er die Kaninchen vorübergehend im Haus hält und erst bei milder Witterung raus setzt.

Wer die Kaninchen in den ersten Tagen und Wochen versorgt, soll sich besonders vorsichtig bewegen, keine lauten Geräusche machen, das Kaninchen ansprechen und damit an die eigene Stimme gewöhnen und sich dem Tier nur so weit nähern, wie es noch keine Flucht ergreift. Es ist normal, wenn die Kaninchen erst einmal das Weite suchen. Wird ihnen das Futter hingelegt und man entfernt sich, dann sollen sie aber wieder rauskommen.

Bei der Fütterung und der Reinigung ist also auf hektische Bewegungen und laute Geräusche zu verzichten. Wenn eigentlich die Kinder die Kaninchenhalter sind, sollen sie die ersten Tage und Wochen gewissenhaft durch die Eltern angeleitet und auch später laufend kontrolliert werden. Das Kaninchen kann immerhin nicht sagen, wenn es ungenügend versorgt wird oder krank ist.

Viel Geduld hilft beim Kaninchen zähmen

Das oder die neuen Kaninchen brauchen zuerst ein paar Tage, um sich an ihr neues Zuhause zu gewöhnen. Bei jungen Kaninchen können auch ein paar Stunden reichen. Wird man bereits geduldet, dann sollte man sich schon in dieser Zeit in der Nähe vom Kaninchen oder sogar im Auslauf aufhalten. Man kann z.B. am Notebook oder Smartphone arbeiten. Am besten legt man noch ein klein wenig leckeres Frischfutter neben sich, vielleicht kommt das Kaninchen schon an.

Welches Futter die Kaninchen gerne fressen, sagen sie einem selber. Das, was als Erstes weg ist, war am leckersten. Von diesem Frischfutter sollte man dem Kaninchen immer etwas hinlegen, wenn man den Raum betritt oder verlässt. Gerade Kräuter sind nicht nur gefragt, sondern auch gesund. Kommt das Kaninchen an, wird ihm wieder eine Kleinigkeit wie etwas Petersilie oder eine Scheibe von der Möhre angeboten. Man kann dem Tier die Hand hinhalten, wenn es schnuppert kann es vielleicht schon gestreichelt werden.

Kaninchen nicht hoch heben

Als Fluchttiere wollen Kaninchen Bodenkontakt, damit sie jederzeit in Deckung gehen oder fliehen können. Kaninchen wollen deswegen nicht hoch gehoben oder mit Gewalt fest gehalten werden. Sie wollen zudem nicht an den Ohren hoch gezogen werden, auch das Heben am Nackenfell kann den ausgewachsenen Tieren sehr weh tun. Wer sein Kaninchen doch einmal hoch heben muss, der greift besser mit der einen Hand unter die Brust oder den Bauch und stützt beim Heben den Po. Das Kaninchen kann anschließend auf dem Unterarm liegen und mit der anderen Hand ein wenig an den Körper gedrückt werden. So klappt es mit Katzen auch sehr gut, Kaninchen sollte man aber möglichst nicht von hinten überrumpeln. Wenn man sich dem Tier nähert oder es anfasst, soll es einen immer erst sehen und riechen können, um nicht zu erschrecken.

Wenn möglich, dann gewöhnt man sein Kaninchen nach und nach daran, dass es gelegentlich hoch gehoben und getragen wird, bis es das Procedere kennt. Das macht man aber erst nach dem ersten Zähmen. Wenn das Kaninchen später mal zum Tierarzt muss, soll es nicht gejagt werden, bis man es hat. Das soll generell nicht passieren. Kaninchen können mit Futter nach dem Zähmen leicht angelockt werden und springen einem auch auf den Schoß oder lassen sich gerne etwas streicheln. Wer seine Kaninchen jedoch stresst, jagt, falsch hoch nimmt und hektisch ist, der kriegt es mit Pech kaum noch zu Gesicht.

Lässt sich jedes Hauskaninchen zähmen?

Kaninchen sind nicht alle gleich. Es gibt solche, die sehr schnell zahm werden und andere, die ihr Leben lang etwas auf Distanz bleiben. Bei diesen scheuen Tieren ist häufig schon etwas in der Jugendphase oder beim Eingewöhnen falsch gelaufen. Es kann aber auch sein, dass der Halter in der Eingewöhnungsphase kaum Zeit für das Tier hatte, womit es zu diesem und anderen Menschen generell etwas auf Distanz bleibt. Es lohnt sich, nicht aufzugeben.

Mit ruhiger und geduldiger Vorgehensweise wird sich jedes nicht traumatisierte Kaninchen an seinen Halter gewöhnen, auch wenn es vielleicht nicht viel schmusen will. Wenn aber mal fremde Menschen zu Besuch kommen, kriegen diese die Kaninchen vielleicht dennoch nicht zu Gesicht, da sie zu fremden Menschen oder Tieren als Fluchttiere erst einmal auf Abstand bleiben.

Wer sein Kaninchen einmal gezähmt hat, ist noch lange nicht fertig. Selbst wenn das Kaninchen noch Artgenossen hat, so ist es weiterhin sehr wichtig, sich intensiv mit den Tieren zu befassen, damit sie zutraulich bleiben. Ihr Hauskaninchen zähmen bleibt also eine schöne Daueraufgabe, aber das ist ja gerade das schöne an der Heimtierhaltung.